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Die Waldinteressentenschaft Amteroth

 

Die  Waldinteressentenschaften sind eine Form der Genossenschaft, bei der jeder Teilhaber ideelle Anteile am gesamten Waldbesitz der Genossenschaft hat.
Die Waldinteressentschaften haben ihre Wurzeln in den ehemaligen Grafschaften Sayn-Altenkirchen und Sayn-Hachenburg. Die Sayner Grafen wollten im 18. Jahrhundert die wegen des hohen Bedarfs bei der Erzverarbeitung geplünderten Wälder wieder aufforsten lassen. Dazu brauchten sie die Hilfe der Bürger. Im benachbarten Siegerland funktionierten die Haubergsgenossenschaften bestens. Daher beschlossen sie, ihre Wälder den Gemeinden mit der Auflage der Aufforstung zu übergeben.

Mit dem Beginn der preußischen Regierung im Jahr 1816 wurden  gesetzliche Regelungen für die Waldinteressentschaften eingeführt. Der Genossenschaftswald in Amteroth, mit einer Größe von 68 ha,  wurde auf die 12 Häuser Amteroths gleichmäßig verteilt, die in der Katasterkarte von 1830 eingezeichnet sind. (Lediglich das Haus "In der Bornwiese Nr.2", das 1830 möglicherweise unbewohnt war und kurz danach abgerissen wurde, blieb ohne Waldanteil.)  Die Gemarkungsgröße von Amteroth betrug zu jener Zeit 225 ha, davon waren 125 ha Wald, aber nur 68 ha Interessentenwald. Die Differenz von 53 ha  ist zu einem Teil Staatsforst und zum anderen Teil Privatwald.  Die Ackerfläche von Amteroth wurde mit 73 ha und die Wiesenfläche mit 16 ha angegeben.

 

Amterother Waldinteressentenschaft - ca.1915

 

Der Waldanteil von jeweils 1/12 des Genossenschaftswaldes wurde an die Häuser gebunden und musste beim Vererben oder beim Verkauf eines Hauses ungeteilt auf den neuen Hauseigentümer überschrieben werden. Erst zu einem späteren Zeitpunkt konnten die Waldanteile an mehrere Erben aufgeteilt werden, wenn sie in Amteroth blieben und dort ein Haus bauten. Auch beim Aufteilen gab es Einschränkungen. Die Waldanteile wurden halbiert und hatten nun die Größe von 1/24 des Genossenschaftswaldes. Noch heute werden die Anteile als Vierundzwanzigstel bezeichnet.

Vor dem Jahr 1830 gab es in Amteroth folgende Häuser , zu jedem Haus gehörte 1/12 des Interessentenwaldes:

   
Hauptstraße:  

"Schöffen"(N. Kirchhof)
"Beckersch" (Flemmer)
"Hannesjes" (Seelbach)

In der Bornwiese: 

"Flemmersch" (Hundt/Schütz)
"Müllersch" (Richter)
"Hermes" (Theiß)
"Gretches" (um 1900 aufgelöst, zwischen "Hermes" und "Henrichs")
"Henrichs" (Dejosez/Schäfer)
"Seelbachs" (Schneider)
"Wehlersch" (Zemlin)
"Hanjerichs" (Hüllbüsch)

Auf der alten Bitz:  

"Unnen Hümmersch  (Euteneuer)

 

Der Waldanteil von "Gretches" wurde von Scharfenstein erworben. Das Anwesen von Scharfenstein ist wahrscheinlich als 13. Haus in Amteroth entstanden. Kurz danach folgten "Augst" und "Schrängersch".

 

Amterother Waldinteressenten 1992 bei einer Baumpflanzaktion.

 

Fast alle diese Häuser haben noch heute einen Waldanteil. Die Bindung des Waldanteiles an die Häuser wurde nach dem 1. Weltkrieg  aufgegeben. Seitdem können die Anteile frei veräußert werden. Durch Rodungen verringerte sich in den Jahren 1920 und 1935 die Fläche des Interessentenwaldes auf
52 ha. Das gewonnene Ackerland wurde unter den Interessenten aufgeteilt. Der Waldanteil von "Henrichs" wurde mit dem Bau des Aussiedlerhofes auf die Semseg verlegt. Die Waldanteile von "Müllersch" und "Wehlersch" gehören nicht mehr zum Haus, blieben aber in Amteroth. Heute halten die Amterother noch 17 Anteile. Die restlichen 7 Anteile sind durch Veräußerungen bzw. Verebungen meist an Bewohner benachbarten Dörfer übergangen.

Die Waldinteressenten wählen alle 3 Jahre einen Vorstand. Dieser besteht aus einem Vorsteher und 2 Beisitzern. Vater, Sohn und Brüder dürfen nicht zugleich Vorstandsmitglieder sein. Alle Beschlüsse werden mit 2/3-Mehrheit, nach Waldanteilen gerechnet, gefasst. Der Vorstand bestimmt einen "Rechner" und beaufsichtigt die "Dienstführung des Rechners". Das "Statut für die Waldberechtigten in Amteroth für den in der Gemarkung Amteroth gelegenen Interessentenwald" aus dem Jahr 1881 hat seine Gültigkeit noch nicht verloren. 

 

Waldinteressenten bei der Brennholzwerbung 2012/2013

 

Bis vor wenigen Jahren wurde die gesamte Arbeit, Aufforsten, Pflegen, Schlagen, im Interessentenwald von den Familienangehörigen der Anteilseigner durchgeführt. Als Gegenleistung gab es Holz oder den entsprechenden Anteil des Gewinns beim Verkauf des Holzes. Das Ende eines gemeinsamen Arbeits-jahres wurde mit einem Waldfest gefeiert. Seit ein mehreren Jahren wird die Arbeit teilweise auch an Lohnunternehmen vergeben.