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Der "Rauhe Stein"

 

 

Mitten im Wald zwischen Oberwambach, Almersbach und Amteroth liegt der sagenumwitterte "Rauhe Stein". An ihm führt der kürzlich angelegte "Holzweg" vorbei. Was ist eigentlich das Besondere am "Rauhen Stein"? Eine Sage vom Rauhen Stein ist in 4 Büchern aufgeschrieben 1. Wir entnehmen der Sage, dass am "Rauhen Stein" ein vorgeschichtlicher Opferplatz gewesen sein soll. Als aber zum ersten Mal die Glocken von Oberwambach durch den Wald erschallten, soll der große Stein mit Donnergetöse zu Tal gestürzt sein.

Ist der "Rauhe Stein" die ganze Felswand oder nur der große Stein, der unten neben dem Weg liegt und wie ein moosbegrünter Altar aussieht? Wenige Meter vom unteren Stein entfernt, mitten im Bach, ist die Grenze von Amteroth zu den Gemarkungen von Oberwambach und Fluterschen. Dieser Grenzbach heißt "Roschbach". So steht es in älteren Karten. Und das Tal wird "Roschseifen" genannt. Der Name "Seifen" kommt im Westerwald häufig vor. Das sind Täler, wo in alten Zeiten der Talboden mit Sieben ausgewaschen wurde um Erzstücke zu finden. Goldwäscher wird es hier wohl nicht gegeben haben, aber Kupfer, Zink, Blei und Eisen waren seinerzeit sehr begehrte Metalle. - Der Namensteil "Rosch" kann mehrere Bedeutungen haben. Er kann vom "Rösten" der Erze kommen; damit war das Schmelzen dieser Erze gemeint. Auch das Wässern des Flachsstrohs wurde "Rösten" genannt.

Noch eine weitere Bedeutung kann das Wort "Rosch" haben: Es kann von "Ross" kommen. Vielleicht wurden in diesem Tal die Rösser geweidet. Der Roschbach fließt bekanntlich in den Almersbach. Der könnte einst "Ahl-Märs-Bach" geheißen haben 2. "Ahle Mären" war ursprünglich der Name für die "ehrwürdigen Stuten". Die jungen Hengste, die man als Kampfpferde heranzog, nannte man "Rösser". Und nach einer alten Sitte aus vorchristlicher Zeit wurde jedes Jahr ein (möglichst weißes) Ross geopfert. Damit wollte man den "Segen des Himmels" erbitten. Der Ortsname "Amteroth" lässt die Annahme zu, dass hier die keltische Göttin "Ambeth" verehrt worden sein könnte 3. Sie war für die Quellen, für den Regen, für gute Ernten und für das Gedeihen der Haustiere zuständig 4. Vielleicht wurde ihr am unteren "Rauhen Stein" das Ross als Opfer dargebracht? Das Fleisch wurde geröstet und anschließend von den Versammelten als "Opfermahl" gegessen. (Pferdefleisch war früher eine Delikatesse.)

Klettert man die Felswand am "Rauhen Stein" hinauf, dann erreicht man oben einen Bergvorsprung. Der Berg wird in den neuen und alten Flurkarten "Johannesberg" genannt 5. Der Festtag für den Evangelisten Johannes wird am 27. Dezember gefeiert. Dieser Tag liegt in der Zeit der "Rauh-Nächte", damit ist die Zeit um "Weihnachten" gemeint. Vielleicht kommt der Name "Rauher Stein" daher, weil man sich hier besonders in den "Rauh-Nächten" versammelte? Möglicherweise wurde hier Gericht gehalten, denn der Name "Rau" hat auch etwas mit "Rechtsprechung" zu tun, wie das noch im Wort "Raugrafen" überliefert ist 6. Als in alter Zeit die Menschen in unseren Dörfern "richtige" Christen werden sollten, wollte man sie vom "Rauhen Stein" weglocken und erbaute eine Waldkapelle, 550 m vom "Rauhen Stein" entfernt, an einer Quelle des Roschbaches 7. Auch der obere "Rauhe Stein" hatte einen direkten Pfad zu einer hochgelegenen Quelle (etwa 250 m entfernt). Der Berg mit dem "Rauhen Stein" und mit dieser Quelle sollte wohl einen christlichen Namen erhalten und man gab ihm den Namen "Johannesberg". Ob man dabei an den Evangelisten Johannes oder an Johannes den Täufer oder an beide dachte, ist nicht überliefert.


1 O.Runkel, Westerwaldsagen, Langensalza 1929, S.96, "Land an Sieg und Wied" Herausgegeben vom Landkreis Altenkirchen 1966, S.128 , "Wandertage", Pädagogisches Zentrum (Hsg.), Band 9/83, Bad-Kreuznach 1983, S.43 und in Karl Ramseger, Geschichte meiner Heimat - Das Kirchspiel Almersbach. Chronik und Heimatblatt, Sonderdruck der Heimatbeilage der Altenkirchener Zeitung, Altenkirchen 1933, S.12

2 Der Name Almerskopf für einen Berg bei Mehrenberg/Ww. weist auf die Pferdehaltung hin. (Auf dem Almerskopf befindet sich eine keltische Wallanlage.) - Literatur: Riekhoff/Biel, Die Kelten in Deutschland, Theiss-Verlag Stuttgart 2001, S.422 ff.

3 Das Wort "Amt" soll ein keltisches Lehnwort sein, das noch im Mittelhochdeutschen "Ambet" geschrieben wurde (siehe Duden Nr. 7, Etymologie).

4 Inge Resch-Rauter, Unser Keltisches Erbe, Flurnamen, Sagen ..., Wien 1998, S.260 ff.

"Ambeth" ist eine der "Drei Matronen", deren Bildnisse im Rheinland häufiger gefunden wurden.

5 Der Flurname "Johannesberg" ist beschränkt auf die Amterother Gemarkung bis zum "Oberwambacher" Weg.

6 Bericht über die "Raunächte" in der Rhein-Zeitung v.28.12.2004: "Die 'Zwölfe' als Vorboten".

7 Hans-Gerd Seelbach, Die Waldkapelle von Oberwambach, im Heimatjahrbuch des Kreises Altenkirchen 1997, S.109-111

Text (c) Fleischer-Amteroth/ Foto (c) Jutta Zemlin, Reproduktion nur mit Genehmigung