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Der Fledermausstollen

 

Im Protokollbuch des Altenkichener Standesamtes ist unter dem Datum des 11.Sept.1944 folgender Eintrag zu finden:

Albert Georg Hanck, gestorben 11.9.1944,

geb.3.9.1940, Mutter: Helene Hanck geb.Heuser, wohnhaft in Düsseldorf;

Todesursache: Verbrennung in der Scheune von Emil Hommer Amteroth,

die durch Fremdeinwirkung in Brand geraten war.



Was war geschehen?

Ohne Vorwarnung wurden am Nachmittag des 11. September 1944 über Amteroth und näherer Umgebung mehrere Phosphorbomben abgeworfen. Sie lösten in der Weyer- und der Bornwiese ein loderndes Flammenmeer aus. Sogar zwei Bauernhöfe und etliche Bäume gerieten in Brand, und auch die Scheune von "Hermes“ brannte lichterloh. [1] Ahnungslos spielte hier der vierjährige Albert. Der kleine Junge konnte nicht mehr gerettet werden! Alberts Familie aus Düsseldorf war vor dem Bombenterror im Rheinland geflohen, hatte bei Verwandten in Amteroth Zuflucht gefunden, und nun dieser Schicksalsschlag.

Gäbe es in Amteroth überhaupt eine Möglichkeit, sich vor Bombenangriffen zu schützen? Man erinnerte sich an zwei ehemalige Bergwerksstollen am Dorfrand, deren Eingänge aber durch Geröll verschüttet waren. Könnten sie, als "Luftschutzbunker" genutzt, weitere Katastrophen verhindern?

Wilhem Hommer und Emil Asbach legten im Herbst 1944 einen Stolleneingang frei Dieser liegt im Berghang direkt vor seiner Haustür der Familie Augst.

Die Stollen waren so hoch, dass Erwachsene darin stehen konnten. Sofort machten sich die Amterother an die Arbeit, räumten das Geröll beiseite, versahen die beiden Stollen mit einem Holzfußboden und klemmten als einfache Sitzgelegenheiten Bretter zwischen die Stollenwände.

In früherer Zeit waren die Amterother Stollen in den Berg getrieben worden, weil man hier wertvolle Erze vermutete. Anregung zu dieser Annahme lieferte die Grube Hirsch auf der gegenüberliegenden Bergseite, jenseits der Amterother Semseg. Bis zum Winter 1907/08 wurde dort seit Jahrzehnten Bleiglanz, Zinkblende und Kupferkies gefördert. Sogar Silber- und Golderze kamen in geringen Mengen vor.

Nach der Gründung des Natur- und Umweltschutzvereins Gieleroth e.V. wuchs das Interesse für den Naturschutz. Man erinnerte sich wieder an die Amterother Stollen. Ein Winterquartier für die im Dorf ansässigen Fledermäuse? Nach Kriegsende waren die Stolleneingänge erneut durch Geröll blockiert. Nur ein "Stollenmundloch" wurde 1994 wieder freigeschaufelt. Die Gielerother Umweltschützer inspizierten das Innere des Stollens und entdeckten eine Wasseransammlung von ca.50 cm Höhe. Die hölzernen Luftschutzbänke waren nicht zerfallen, sondern - zum Erstaunen aller - vom Wasser konserviert worden. Einige Tage lang wurde der Stollen von Interessierten unter die Lupe genommen. Ergebnis? Der Eingang wurde freigeschaufelt und  das Stollenmundloch mit einem Gitter verbarrikadiert. Jetzt konnten hier Fledermäuse, Feuersalamander und andere Kleintiere einziehen und Ruhe finden. Auch den Menschen bietet das Gitter Sicherheit, denn es hält unternehmungslustige Kinder vor einem unkontrollierten Einsteigen ins Unwägbare ab.

Die Stollenwände sind porös und einsturzgefährdet, und 2006 drohte der Stolleneingang sogar erneut total verschüttet zu werden. Es blieb nur noch eine kleine Öffnung frei; das alte Schutzgitter war völlig vermodert. Wieder traf sich eine Arbeitsgruppe des Natur- und Umweltschutzvereins, beseitigte das Geröll vor dem Eingang und montierte ein stabileres Schutzgitter.

[1] Die Nationalität des Bombers konnte nicht festgestellt werden. Man war sich nur sicher, dass es sich um einen Notabwurf der Bomben gehandelt haben musste. Einige Zeitzeugen dieser Katastrophe leben noch. Sie können dieses Ereignis nicht vergessen.

 

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